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Von Berlin nach Wien – Friedrich von Gentz als intellektueller Grenzgänger

Kurzbiografie

Alexandra Nebelung

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Friedrich (von) Gentz wurde 1764 in Breslau geboren. Er stammte aus einer angesehenen Familie des preußischen Bürgertums. Sein Vater war ein hoher Beamter, seine Mutter stammte aus der hugenottischen Familie Ancillon. Durch die Beziehungen seines Vaters konnte Gentz in Königsberg unter anderem bei Immanuel Kant studieren. 1785 brach er sein Studium jedoch ab und wurde ebenfalls preußischer Beamter. [1]

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Bei Ausbruch der Französischen Revolution 1789 war Gentz begeisterter Anhänger der Ideen von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit. [2] Diese Haltung änderte sich zwei Jahre später, nach der Lektüre von Edmund Burkes Schrift "Reflections on the Revolution in France". [3] Burkes Rhetorik überzeugte Gentz nach und nach davon, dass die Revolution eine Bedrohung für Europa darstellte. Mit der Übersetzung Burkes begannen Gentz' Wechsel ins antirevolutionäre Lager und seine Karriere als Publizist. Er übersetzte zwei weitere Bücher französischer Schriftsteller, Jean-Joseph Mounier [4] und Jacques Mallet du Pan, [5] und begann auch damit, eigene Schriften zu staatstheoretischen Themen zu veröffentlichen.

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Um die Jahrhundertwende sah Gentz in Preußen immer schlechtere Chancen für seinen Kampf gegen die Revolution. 1802 wechselte er daher nach Wien und wurde kaiserlicher Hofrat. [6] Da Österreich zu diesem Zeitpunkt noch Krieg gegen Frankreich führte, sollte Gentz seine publizistischen Fähigkeiten für diesen Krieg einsetzen. Ab 1810 stand Gentz in den Diensten des Staatskanzlers Clemens von Metternich. Damit begann seine Laufbahn als österreichischer Politiker, die ihren Höhepunkt in seiner Teilnahme am Wiener Kongress 1814 / 15 fand. [7] Friedrich von Gentz wurde zum "Sekretär Europas", als rechte Hand Metternichs spielte er eine wichtige Rolle in der Restaurationszeit. In diesen Kontext gehören auch die Karlsbader Beschlüsse 1819, als deren Mitverfasser sich Gentz endgültig einen Namen als Reaktionär machte. [8]

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In den letzten Jahren seines Lebens ging Gentz jedoch auf Distanz zu Metternich und rückte von seiner streng antirevolutionären Haltung ab. In privaten Briefen äußerte er Zweifel am System Metternichs. [9] Am 9. Juni 1832, nur wenige Wochen nach dem Tod Goethes, starb Gentz in Weinhaus bei Wien.

Anmerkungen

[1] Vgl. Harro Zimmermann: Friedrich Gentz. Die Erfindung der Realpolitik, Paderborn u.a. 2012, 24; zu Gentz' Vita vgl. auch den Beitrag von Michael Rohrschneider.

[2] Vgl. Gentz' Brief an Christian Garve, 5. März 1790, in: Friedrich Carl Wittichen / Ernst Salzer (Hg.): Briefe von und an Friedrich von Gentz, 4 Bde., München / Berlin 1909-1913, hier Bd. 1, 159.

[3] Vgl. Edmund Burke / Friedrich Gentz: Über die Französische Revolution. Betrachtungen und Abhandlungen. Hg. von Hermann Klenner, Berlin 1991.

[4] Vgl. Friedrich Gentz (Hg.): Mounier's Entwicklung der Ursachen welche Frankreich gehindert haben zur Freiheit zu gelangen, Berlin 1795.

[5] Vgl. Friedrich Gentz (Hg.): Mallet du Pan über die Französische Revolution und die Ursachen ihrer Dauer, Berlin 1794.

[6] Vgl. Zimmermann: Friedrich Gentz (wie Anm. 1), 160.

[7] Vgl. Zimmermann: Friedrich Gentz (wie Anm. 1), 231 und Barbara Dorn: Friedrich von Gentz und Europa. Studien zu Stabilität und Revolution 1802-1822, Diss. phil., Bonn 1993, 130ff.

[8] Siehe hierzu: Eberhard Büssem: Die Karlsbader Beschlüsse von 1819: die endgültige Stabilisierung der restaurativen Politik im Deutschen Bund nach dem Wiener Kongreß von 1814 / 15, Hildesheim 1972.

[9] Vgl. Zimmermann: Friedrich Gentz (wie Anm. 1), 302f.

Empfohlene Zitierweise
Alexandra Nebelung, Von Berlin nach Wien – Friedrich von Gentz als intellektueller Grenzgänger (DOI: http://dx.doi.org/10.18716/map/00002/2), aus: Gudrun Gersmann, Friedrich Jaeger, Michael Rohrschneider (Hg.), Virtuosen der Öffentlichkeit? Friedrich von Gentz (1764-1832) im globalen intellektuellen Kontext seiner Zeit (DOI: http://dx.doi.org/10.18716/map/00002), in: mapublishing-lab, 2016, Seitenzitation: Kurzbiografie,
URL: http://gentz.mapublishing-lab.uni-koeln.de/europaeische-welt/von-berlin-nach-wien-friedrich-von-gentz-als-intellektueller-grenzgaenger/kurzbiografie/ (Datum des letzten Besuchs).

Veröffentlicht: 06.10.2016
Zuletzt geändert: 03.01.2017